Vogelstimmenlose Zeit

Kein Außen, nur Innen und dort kein Entrinnen, gefangen, gefesselt, gelähmt.

Nur Kälte und Stille, zerborstener Wille, ganz langsam die Hoffnung vergrämt.

Nach Außen kein Fenster, nach Innen Gespenster, kein Licht, eine Seele, die schreit.

Kein Frühlingserwachen, kein fröhliches Lachen, nur vogelstimmenlose Zeit.

 

Ein Gedicht für Menschen, welche nach einem traumatischen Erlebnis (meistens Tod eines lieben Menschen) zeitweilig an Depressionen gelitten haben. Man findet nach der Zeit der Trauer wieder ins normale Leben zurück.

 

Sommer im Dorf

Heißer Staub auf Kinderzehen, Eidechsen am Gartenzaun,

im Weidenkörbchen junge Kätzchen und goldene Birnen auf dem Baum.

In der Glut der Sommersonne gelbe Kornfelder im Wind,

in feuchten Händen bunte Sträußchen und Verliebte, die glücklich sind.

Süßer Duft in lauen Nächten, so manch erfüllter Traum.

Sommer im Dorf, wer den erlebte, der vergisst ihn kaum.

 

Sonett

Ich hatte versucht, ein Sonett zu schreiben.

Konzentrierte mich zu sehr auf Reim und Form,

um einzuhalten die starre strenge Norm.

Dann beschloss ich für mich, ich lass es bleiben.

 

Gefühle zerlegt´ ich dabei in Scheiben,

formte auch bizarre Gedanken konform.

Was diese aussagten, war erstmal enorm.

Und ich ließ mich einfach noch weiter treiben.

 

Erkannte dann kaum noch, was ich geschrieben.

Wo waren meine Gefühle geblieben?

Wo waren denn meine Gedanken nur hin?

 

Nur wahllos gewählte Worte, die passen,

was ich sagen wollte, doch nicht mehr fassen.

Ich lasse es bleiben, es macht keinen Sinn.

 

Ein Leben

Man kann ein Leben mit Wellen vergleichen,

die oft ganz zaghaft das Ufer streichen,

doch ab und zu ihren Unmut zeigen,

sich aufbäumen und aus Vernunft dann schweigen.

 

Doch gibt es Momente, wenn Stürme toben,

sie über sich wachsen, dass kein Unten noch Oben,

mit ihrer Kraft sogar Felsen bewegen,

daran auch zerbrechen, sich kaum noch regen.

 

Und wenn sie erstarken im Sonnenlicht,

das entfesselte Tropfen in Bilder bricht,

wieder getrieben erneut sich bewegen,

bis sie sich am Ufer zur Ruhe legen.

 

Enkelkind

Kleine warme Hand in meiner,
Zärtlichkeit, die sanft umhüllt
wie ein mildes Licht am Morgen,
Liebe, die mich ganz erfüllt.
Kleine Sonne meiner Tage,
Freude, die mich reich bedacht,
höchstes Gut des Lebens Füllhorn
mir jede Stunde kostbar macht.
In meinem Dasein bist du Zukunft,
Zukunft und auch Zuversicht.
Bist das Licht, das weiter leuchtet,
auch wenn meines einmal bricht.

Grenzgängerin

Ich ließ einen Teil meiner Seele zurück
im kleinen Dorf zwischen sanften Hügeln.
Der andere Teil suchte sein Glück,
von der großen Welt ließ er sich beflügeln.

Getrennte Seelen haben es schwer,
sie suchen sich, möchten sich vereinen.
Es gelingt nur im Grenzland, nachts im Traum,
wenn beide vor Sehnsucht weinen.